Der ‚Business Case‘ für Nachhaltigkeit – Geschäftsmodellveränderungen für eine zukunftsfähige Industrie

TRANSFORMATION // 12.10.2021

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Digitalisierung und Klimawandel machen eine Transformation von Industrieunternehmen unabdingbar. Wie können Unternehmen diese selbstbestimmt gestalten und dabei auch von bisher unbekannten Chancen profitieren?

 

Spätestens seit der Verabschiedung des Pariser Abkommens im Dezember 2015 ist klar: die Industrie wird in den nächsten Jahrzehnten eine grundlegende Transformation durchlaufen. Der Weg ist jedoch noch weitgehend unklar und für viele Unternehmen stellt sich die Frage, was Transformation wirklich bedeutet, welche Chancen und Risiken die Transformation mit sich bringt und wie sie den Transformationsprozess Großteils selbst steuern können. Es scheint, die Verringerung und das Management des CO2-Fußabdruckes ist dabei nur ein Faktor. Schaut man auf die Wissenschaft, so kann das übergeordnete Ziel des Paris-Abkommens, den Temperaturanstieg durch den Klimawandel deutlich unter 2 Grad zu begrenzen, nur erreicht werden, in dem sich auch die Geschäftsmodelle in der Industrie verändern (siehe z.B. IPCC oder Kellogg School of Management).

 

Unsicherheit reduzieren und Potentiale erkennen

Inwiefern muss dies ein Verantwortlicher eines Industrieunternehmens als Gefahr verstehen, da es scheint, dass die Grundlage des wirtschaftlichen Erfolges entzogen wird? In der Tat hören wir häufiger von entsprechenden Befürchtungen aus der Industrie. Aus unserer Erfahrung sind diese jedoch meist verknüpft mit Unsicherheit, viele Unternehmen können für sich noch nicht bewerten welche Relevanz Klimaschutz und Nachhaltigkeit schlussendlich mit sich bringen. Sobald die Perspektive jedoch ein wenig verändert wird, kann schnell klar werden: Eine nachhaltige Transformation von Unternehmen, inklusive einer Veränderung des Geschäftsmodells, bietet zahlreiche Chancen zur Verbesserung der eigenen Wettbewerbsposition, nicht zuletzt durch die Stärkung der eigenen Innovationskraft und der Teilhabe an neuen Märkten.

Aber wie können solche Potentiale gehoben und somit neben dem wirtschaftlichen Erfolg auch eine positive Wirkung auf Umwelt und Gesellschaft erzielt werden? Im Grunde gilt – wenig überraschend – sich zunächst ein Bewusstsein zu verschaffen, welche Chancen und Risiken das Thema Nachhaltigkeit mit sich bringt. Wichtig ist, und das ist neu, hierbei eine systemische Vorgehensweise zu wählen, das heißt eine ganzheitliche Betrachtung des Unternehmens und des Unternehmensumfelds aus verschiedenen Perspektiven ins Auge zu fassen. Dies erlaubt Rückschlüsse auf:

–  Treiber von Nachhaltigkeit für ein Unternehmen.
Sind es die Kunden, die Investoren und/oder neue gesellschaftliche und politische Rahmenbedingungen?

–  Chancen für Innovation.
Welchen Mehrwert kann ich zukünftig anbieten und somit auch meine Kunden von morgen bei ihren Herausforderungen unterstützen?

–  Neue wertstiftende Partnerschaften.
Mit welchen Kooperationen kann ich Innovationspotentiale heben?

 

Ganzheitliche und vernetze Betrachtung als Erfolgsfaktor

Der Erkenntnisgewinn in diesen Bereichen, den eine systemische Vorgehensweise verspricht, lässt sich kaum mit bekannten strategischen Analyseinstrumenten erfassen. Insbesondere zukünftige Innovationspotentiale sowie Partnerschaften liegen oft außerhalb traditioneller Denkmuster. Hierzu ein Beispiel: Ein Autolackhersteller identifiziert Geschäftspotential in der Zusammenarbeit mit einer Autolackiererei, und zwar durch das Anbieten einer IT-Lösung für den Endkunden. Dies erlaubt dem Endkunden die individuelle Gestaltung seiner Wunschlösung, auch unter Berücksichtigung von Nachhaltigkeitskriterien. Neben einer gesteigerten Kundenbindung profitiert der Lackhersteller auch durch genauere und verlässlichere Planungsdaten. Im Ergebnis steht sowohl ein effizienterer Ressourceneinsatz als auch eine mögliche leichte Erhöhung der Ergebnismarge. Dieser Ansatz wäre vermutlich in den meisten Innovationsprozessen nicht sichtbar geworden.

 

Eine weitere Herausforderung stellt sich für viele Industrieunternehmen in strategischen Entscheidungsprozessen: Wie können unterschiedliche Unternehmensziele berücksichtigt werden, z.B. bei der Produkt- und Serviceentwicklung und auch bei Investitionen in neue Produktionsanlagen? Nahezu alle Unternehmen verfolgen neben wirtschaftlichem Erfolg weitere Ziele, oft sind auch ökologische und soziale Ziele auf Unternehmensebene bereits definiert. In der Realität gibt es daher Zielkonflikte, doch wie bildet man diese in Entscheidungsprozessen ab, um auch transparent und bewusst entscheiden zu können? Auch hier bietet ein systemischer Ansatz die Möglichkeit, Zielkonflikte sichtbar zu machen und im Sinne der übergeordneten Unternehmensstrategie, trade-offs transparent zu berücksichtigen.

 

Das Einbinden und Vernetzen neuer Perspektiven ist daher nicht nur ein Instrument zum Management von Herausforderungen und Chancen des Klimawandels, es wird auch zum Erfolgsfaktor für die Unternehmensführung im Allgemeinen. Es ist somit der Türöffner für eine Transformation hin zu einem zukunftsfähigen Geschäftsmodell.

 

Den Mut entwickeln Geschäftsmodelle neu zu denken

Doch was bedeutet dies konkret für die Anwendung in der Praxis? Wie bereits angedeutet liegt der Anfang darin, sich vertraut zu machen mit dem eigenen ‚Business Case‘ der Unternehmenstransformation. Dies führt dann auch zu einem Verständnis, wie Nachhaltigkeit integriert werden könnte in das eigene Geschäftsmodell – die Grundlage, um Erkenntnis und Mut zu entwickeln, Veränderungsprozesse anzustoßen. Der damit einhergehende Lernprozess lässt in der Regel auch die Zuversicht entstehen, die Fähigkeiten für eine langfristige Transformation im Unternehmen erlangen und über alle Bereiche und Mitarbeiter hinweg verankern zu können. Auch unsere Erfahrung zeigt: eine kleine Veränderung der Betrachtungsweise kann ‚Wunder bewirken‘, indem bisher unbekannte Potentiale sichtbar und Pfade für eine erfolgreiche Transformation erkennbar werden.

 

Berichten Sie uns: Kennen Sie bereits Ihren Business Case für Nachhaltigkeit bzw. welche Fragen sind für Sie dahingehend noch offen? Wir freuen uns auf einen Erfahrungsaustausch!

Wir freuen uns über Ihre Anregungen und Fragen, schicken Sie uns gerne eine persönliche Nachricht.

 

Zur Vertiefung:

ENDURE Consulting hat gemeinsam mit internationalen Partnern eine Seminarreihe zum Thema „Design nachhaltiger Geschäftsmodelle“ entwickelt. Anhand von Case Studies, interaktiven Diskussionen und Anwendung von Design-Übungen entwickeln die Teilnehmer sowohl ein Verständnis für die Relevanz von Nachhaltigkeit für Geschäftsmodelle als auch das Selbstbewusstsein, einen eigenen Prozess zur nachhaltigen Geschäftsmodellentwicklung zu starten.

Weitere Informationen über die Seminarreihe sowie zur Anmeldung sind hier verfügbar.

 

Bildquelle: iStock.com/NicoElNino

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